Pflanzen durch Stecklinge vermehren: in Wasser und in Erde
Ein einziger gesunder Trieb kann zu einer ganzen neuen Pflanze werden. Viele beliebte Zimmerpflanzen und Kräuter bewurzeln sich leicht aus Stecklingen, entweder im Wasserglas oder direkt in feuchter Erde. Diese Anleitung erklärt, welchen Steckling Sie schneiden, wo Sie schneiden, wie Sie zwischen Wasser und Erde wählen und wie Sie bewurzelte Stecklinge eintopfen.

- Beste Zeit
- Frühling bis Frühsommer, in der Wachstumsphase
- Wichtigste Stelle
- Knapp unter einem Knoten schneiden
- Stecklingslänge
- Etwa 10–15 cm, 2–3 Knoten
- Bewurzelungszeit
- Je nach Pflanze 1–6 Wochen (geschätzt)
Arten von Stecklingen
Nicht jede Pflanze bewurzelt sich gleich. Wählen Sie die Methode, die zur Wuchsform passt:
- Kopf- bzw. Triebstecklinge: Ein Triebstück mit einigen Blättern und mindestens einem Knoten. Die häufigste Methode für Efeutute, Philodendron, Tradescantie, Basilikum, Minze und Rosmarin.
- Knoten- bzw. Augenstecklinge: Ein kurzes Stück mit einem Knoten und einem Blatt. Praktisch bei Kletterpflanzen wie Efeutute und Monstera, wenn Sie aus einer Ranke viele Pflanzen ziehen möchten.
- Blattstecklinge: Ein einzelnes Blatt, manchmal mit kurzem Stiel. Funktioniert bei Sukkulenten wie Geldbaum und Echeverie sowie bei Usambaraveilchen und Bogenhanf.
- Kindel: Manche Pflanzen bilden fertige Ableger. Die Grünlilie treibt Ausläufer mit kleinen Kindeln, die oft schon Wurzelansätze haben und in wenigen Tagen anwachsen.

Beste Zeit, Werkzeug und Hygiene
Schneiden Sie Stecklinge im Frühling und Frühsommer, wenn die Pflanzen wachsen und die Tage lang sind. Im Winter geschnittene Stecklinge bewurzeln sich drinnen auch, aber langsamer. Gießen Sie die Mutterpflanze am Vortag, damit die Triebe gut mit Wasser versorgt sind.
- Scharfe, saubere Schere, Gartenschere oder Messer
- Alkohol oder heißes Seifenwasser zum Reinigen der Klinge
- Klare Gläser oder Flaschen (zum Bewurzeln in Wasser)
- Kleine Töpfe mit Abzugsloch und frische, lockere Erde (zum Bewurzeln in Erde)
- Perlit oder grober Sand zum Auflockern
- Optional: Bewurzelungshormon, klarer Beutel oder Deckel für Luftfeuchtigkeit
Reinigen Sie die Klinge zwischen den Pflanzen. Gequetschte, ausgefranste Schnitte und schmutziges Werkzeug fördern Fäulnis.
⚠️ Schneiden Sie nur von gesunden, schädlingsfreien Pflanzen. Ein Steckling trägt die Schädlinge und Krankheiten der Mutterpflanze mit.
Was ist ein Knoten und wo schneidet man?
Ein Knoten ist die leicht verdickte Stelle am Trieb, an der ein Blatt ansetzt. Dort sitzen ruhende Knospen und Zellen, die sich zu Wurzeln entwickeln können. Ein Steckling ohne Knoten bewurzelt sich meist nicht oder treibt nie neu aus.
- Schneiden Sie etwa 0,5 cm unter einem Knoten, sauber und leicht schräg.
- Bei Kletterern wie Efeutute und Philodendron sehen Sie am Knoten kleine braune Höcker: Das sind Luftwurzeln, die im Wasser schnell wachsen.
- Entfernen Sie die Blätter an den unteren ein bis zwei Knoten; diese kommen ins Wasser oder in die Erde.
- Lassen Sie oben 2–4 Blätter. Zu viele Blätter verdunsten mehr Wasser, als der Steckling aufnehmen kann.

In Wasser oder in Erde bewurzeln?
Beide Methoden funktionieren. Im Wasser sieht man den Fortschritt; Erde erspart später einen Umstellungsschritt.
In Wasser
- Sie sehen die Wurzeln wachsen, das motiviert.
- Sehr einfach bei Efeutute, Philodendron, Tradescantie, Minze und Basilikum.
- Wasser alle 3–5 Tage wechseln, damit es frisch bleibt.
- Wasserwurzeln sind dünn und brüchig; sie brauchen Zeit, um sich an Erde zu gewöhnen.
- Nicht für Sukkulenten geeignet: Sie faulen.
In Erde
- Die Wurzeln sind von Anfang an an Erde angepasst; weniger Umpflanzstress.
- Besser für verholzende Kräuter wie Rosmarin und für Sukkulenten.
- Braucht gleichmäßig feuchte, nicht nasse Erde und etwas Luftfeuchtigkeit.
- Den Fortschritt sieht man nicht; prüfen Sie mit sanftem Ziehen.
- Eine klare Abdeckung hält beblätterte Stecklinge frisch.
Schritt für Schritt
- Wählen Sie einen gesunden Trieb mit 2–3 Knoten ohne Blüten. Blüten gegebenenfalls abknipsen.
- Schneiden Sie mit sauberer Klinge etwa 0,5 cm unter dem untersten Knoten. Für die meisten Zimmerpflanzen sind 10–15 cm ideal.
- Entfernen Sie die Blätter an den unteren ein bis zwei Knoten, damit keine Blätter unter Wasser oder in der Erde sind.
- Wasser: Stellen Sie den Steckling in ein klares Glas mit zimmerwarmem Wasser, sodass die kahlen Knoten unter Wasser und die Blätter trocken sind.
- Erde: Stechen Sie mit einem Bleistift ein Loch in feuchte Erde, setzen Sie den Steckling so ein, dass mindestens ein Knoten bedeckt ist, und drücken Sie die Erde an.
- Stellen Sie ihn hell, aber ohne direkte Sonne, bei etwa 20–24 °C auf. Direkte Sonne heizt Gläser auf und lässt Stecklinge welken.
- Wechseln Sie das Wasser alle 3–5 Tage; in Erde das Substrat leicht feucht halten und die Abdeckung täglich lüften.
- Setzen Sie Wasserstecklinge in Erde, wenn die Wurzeln 2–5 cm lang sind. Spüren Sie bei Erdstecklingen beim sanften Ziehen Widerstand, haben sich Wurzeln gebildet.
Bewurzelungshormon (optional)
Bewurzelungshormon ist ein Pulver oder Gel mit pflanzlichen Wuchsstoffen, die die Wurzelbildung anregen. Leicht wurzelnde Pflanzen wie Efeutute, Minze und Tradescantie brauchen es nicht. Am nützlichsten ist es bei verholzten oder halbverholzten Stecklingen wie Rosmarin und bei langsam wurzelnden Arten.
- Nur das Schnittende eintauchen, Überschuss abklopfen, dann in Erde stecken.
- Etwas in ein separates Schälchen füllen, statt in die Packung zu tauchen, damit der Rest sauber bleibt.
- Es wird vor allem beim Bewurzeln in Erde verwendet; im Wasser wird das meiste abgespült.
⚠️ Befolgen Sie das Produktetikett für Anwendung und Lagerung, tragen Sie bei Bedarf Handschuhe und bewahren Sie es außer Reichweite von Kindern und Haustieren auf.
Blatt- und Triebstecklinge von Sukkulenten
Sukkulenten speichern Wasser in Blättern und Trieben und verhalten sich deshalb anders als beblätterte Pflanzen.
- Drehen Sie ein gesundes Blatt von Geldbaum oder Echeverie so ab, dass der ganze Blattansatz mitkommt; ein abgerissenes Blatt bewurzelt sich selten.
- Antrocknen lassen: Lassen Sie Blätter und Triebstecklinge 2–7 Tage an einem trockenen, schattigen Ort liegen, bis sich am Schnitt eine Kruste bildet (geschätzt). Dicke Triebe brauchen länger.
- Legen Sie Blätter auf trockene Kakteenerde oder stecken Sie Triebstecklinge leicht hinein. Blätter nicht eingraben.
- Erst sprühen oder leicht gießen, wenn winzige Wurzeln erscheinen, meist nach 2–4 Wochen (geschätzt).
- Glieder des Weihnachtskaktus sind eine Ausnahme: Nach einem Tag Antrocknen bewurzeln sie sich auch gut in Wasser.

Bewurzelungszeiten nach Pflanze (geschätzt)
Die Zeiten hängen von Wärme, Licht und Jahreszeit ab. Die Werte gelten für etwa 2–3 cm lange Wurzeln unter Frühlings- oder Sommerbedingungen.

Bewurzelte Stecklinge eintopfen
- Wählen Sie einen kleinen Topf von etwa 8–10 cm Durchmesser mit Abzugsloch. Ein großer Topf bleibt für junge Wurzeln zu lange nass.
- Verwenden Sie lockere Erde; für Efeutute und Philodendron Perlit beimischen, für Sukkulenten Kakteenerde nehmen.
- Setzen Sie mehrere Stecklinge zusammen für eine buschigere Pflanze.
- In Wasser bewurzelte Stecklinge: Halten Sie die Erde in den ersten 2 Wochen etwas feuchter als üblich, damit sich die Wurzeln umstellen können, dann normal gießen.
- Stellen Sie die junge Pflanze ein bis zwei Wochen nicht in direkte Sonne. Neue Blätter zeigen, dass sie angewachsen ist.
Häufige Probleme und Lösungen
Häufig gestellte Fragen
Kann ich einen Steckling ohne Knoten bewurzeln?
Meist nicht. Die meisten Pflanzen bilden Wurzeln und neue Triebe am Knoten; ein Stück ohne Knoten bewurzelt sich nicht oder wächst nie weiter. Immer mindestens einen Knoten mitnehmen.
Kann ein Steckling für immer im Wasser bleiben?
Manche Pflanzen wie die Efeutute können lange im Wasser leben, wenn Sie das Wasser wechseln und leicht düngen. Langfristig gedeihen die meisten Pflanzen in Erde besser.
Darf ich Leitungswasser verwenden?
Zimmerwarmes Leitungswasser eignet sich für die meisten Stecklinge. Ist es stark gechlort, lassen Sie es vorher einen Tag stehen.
Wie viele Stecklinge sollte ich schneiden?
Zwei oder drei mehr als nötig. Nicht jeder Steckling bewurzelt sich, und mehrere in einem Topf ergeben eine vollere Pflanze.
Pflanzen, die sich gut aus Stecklingen ziehen lassen
EfeututeKletterphilodendronGrünlilieGeldbaumWeihnachtskaktusBasilikumMinzeRosmarin
Quellen
- University of Maryland Extension — 5 plants that root easily in water
- University of Vermont Extension — More, please: propagating houseplants
- University of Illinois Extension — A beginner's guide to plant propagation
Zuletzt aktualisiert: 2. November 2026